Die Rosuites auf Lichteben, Zillertal

By In Europe

„Jetzt komm schon rein und bring den Hut mit“. Rudi hält die Beifahrertüre des Autos auf und redet seiner jungen Begleiterin Maya gut zu, die gekonnt mit Rudis Kopfbedeckung zwischen den Zähnen jongliert. Es ist 5 Uhr in der Früh und die ansonsten recht beherzt auftretende Hundedame ist noch etwas müde. Doch es hilft ja nichts, denn jeden Morgen fährt der Rudi im Sommer auf die Alm, um die Kühe zu melken. Gute 2 Stunden ist er damit beschäftigt, genau wie am späten Nachmittag, wo er das gleiche Prozedere pünktlich um halb fünf wiederholt. „Klar könnte man das Melken auch in einer Stunde schaffen, aber der Rudi lässt sich gerne Zeit“ sagt seine Frau, die Roswitha und stellt mir ein Glas Frizzante aus eigener Abfüllung auf den Tisch. „Herzlich Willkommen auf Lichteben. Habt ihr euer Chalet schon gesehen?“ Allgemeines Kopfschütteln. „Na dann zeige ich euch jetzt den Traum, den der Rudi und ich uns vor 3 Jahren hier erfüllt haben“.

#chalets

Steinquendel, Alpenrose, Silberdistel, Arnika und Erika ind nicht die Töchter von der Roswitha, sondern so heißen fünf einzigartige Chalets, die die Beiden oberhalb ihres Almhofs im Wald versteckt haben. Individuell in ihrer Architektur, blicken sie hinab auf das Zillertal und sind damit fast schon eins mit der Umgebung. Unabhängig vom Strom sind sie eh, da eine Photovoltaik-Anlage die Chalets mit Energie versorgt und unabhängig von Restaurantbesuchen sind sie allemal, da sich die liebe Roswitha und ihr Team um alles hier oben auf Lichteben kümmern. Die Koffer fährt der Rudi vor die Tür, denn Autos haben in dieser Kulisse keinen Platz, genauso wenig wie Bilder im Inneren der Chalets. Dafür gibt es ausnahmslos Glasflächen, die der prächtigen Wald-, Wiesen und Berglandschaft einen würdigen Rahmen verleihen und dem erlebnishungrigen Auge immer etwas anzubieten haben. Mir gehört für die nächsten zwei Nächte das futuristische Chalet Erika, dessen 75 qm Wohnfläche als Rondell in den Hang gebaut wurde und über zwei Ebenen angelegt ist. Nach dem kleinen Flur wartet bereits der erste „Wow-Effekt“ auf mich, denn das integrierte Wohn- und Esszimmer hat nicht nur einen offenen Kamin, sondern auch super-gemütliche Sitzmöbel, die von einem rustikalen Esstisch mit Ledersitzen und Kuschelfellen abgelöst werden.

In der integrierten Küche gibt es alles, was man benötigt, um die nächsten Wochen hier zu verweilen. Eine Wendetreppe führt nach unten und bringt mich zu zwei schönen Schlafzimmern, einem Bad mit Wasserfalldusche sowie dem spektakulären Außenbereich, der sogleich für „Wow“ Nummer 2 sorgt. Es gibt eine eigene Privatsauna sowie ein Jacuzzi mit Gegen- und Massagestrom und fetten LED-Leuchten, die besonders am Abend ihre Stärken ausspielen. Der Rudi zeigt mir, wie ich Whirlpool, Sauna und die Lichter bediene, während ich mich noch immer mit offenem Mund und einem Lächeln auf den Lippen umschaue. „Alles halb so wild“ meint der Rudi. „Wir haben am Anfang alle Chalets einmal selbst ausprobiert und ich habe nicht mal gut geschlafen“. Daraufhin lächelt er kurz, drückt mir zum Abschied den Schlüssel in die Hand und freut sich insgeheim schon auf den nächsten Morgen, während ich voller Begeisterung durch die wunderbar gestalteten Räume schreite, deren Rohentwurf aus der Feder von Roswitha und dem Rudi selbst stammt.

#food

Nicht jeder darf einfach ein paar Chalets im Zillertal errichten und vermieten, denn das geht nur, wenn man eine ortsansässige Gastronomie anbietet. Und das tut die Roswitha mit ihrer Alm und so klopft es pünktlich um 20 Uhr an meine Tür und eine große Kiste voller Köstlichkeiten wird mir liebevoll mit einem „Guten Appetit“ in die Hand gedrückt. Die Vorspeise besteht aus heißer Kartoffelsuppe, einem frischen Salat und selbst gebackenem Brot. Als Hauptgang folgt ein sensationelles Cordon Bleu mit Preiselbeeren und Kartoffeln und als Nachtisch gibt es ein Gries Flammeri im Glas. Dazu einen wunderbaren Weißwein aus dem Chalet-eigenen Weindepot und ich fühle mich wie im eigenen Sterne-Restaurant, aus dem ich nicht mal einen Rückweg antreten muss. Ähnlich komfortabel geht es am nächsten Morgen mit dem Frühstück weiter, welches in Form eines großen Frühstückskorbs serviert wird, der es mit so manchem kompletten Hotelbuffet aufnehmen kann. Frische Eier, Bircher Müsli, Jogurt, Granula, Aufschnitt-Platte mit Wurst, Käse und Schinken, selbstgemachte Marmeladen, selbstgemachte Butter, frisch gepresster Orangensaft und eine großzügige Selektion aus Semmeln, Croissants und Teilchen verzaubern den Esstisch in ein wahres Frühstücksparadies. Damit ist man nicht nur gut gestärkt für den Tag, sondern hat die Brotzeit für die Hüttenwanderung gleich schon mit am Start.

# besthike

Mein gut ausgeklügelter Plan, eine Tour vom Hintertuxer Gletscher hinab ins Tal zu starten, wird sogleich von Roswitha und ihrer Liebe zur eigenen Region in Frage gestellt. „Willst du wirklich dahin gehen, wo alle Touristen hinströmen? Wo die Seilbahnstationen und Schneekanonen herumstehen und den ganzen Sommer über nur geschraubt wird?“. Wer kann dazu schon ja sagen, also folge ich natürlich Roswithas Rat und begebe mich auf die etwa 5 stündige Wanderung zur 2.124 Meter hoch gelegenen Rastkogelhütte, in dessen Nähe der Rudi heuer seine Kühe geparkt hat. Zunächst geht es recht steil hinauf zum Melchboden, vorbei an riesigen Blaubeerfeldern, Pilz-Kolonien und Erikasträuchern, so dass man die gesamten 600 Höhenmeter fast direkt am Anfang bewältigen muss. Danach folgt ein wunderschöner Panoramaweg hinauf zur Rastkogelhütte, die einen optisch herausragenden Kaiserschmarren anbietet, der aber aufgrund vorhandener Frühstücksreserven in mir keinen Abnehmer finden wird. Dafür erinnert mich der Gipfelgrad mit der Nummer 302a, mit seinen grünen Flanken und kleinen Seen, zunehmend an meine Tour zum Seealpsee im Allgäu. Auch hier könnte man ewig in dem Glauben weiterlaufen, immer neue Felsformationen und landschaftliche Leckerbissen zu erblicken, bis man merkt, dass es noch ein ordentliches Stück des Weges ist, bis man wieder vor der Chalet-Tür steht und sogleich die Rotorblätter des Jacuzzis anschmeißt.

#lichteben

„Ohne die Software, kannst du noch so schöne Chalets bauen, ihnen würde die Atmosphäre fehlen“ sagt die Roswitha und recht hat sie, denn ohne die beiden Gastgeber, wären es nur fünf Luxusunterkünfte, von denen es im Alpenraum mittlerweile einige gibt. Wer Lichteben aber zum erleuchten bringt, das sind Roswitha und der Rudi, Bergbauern, die in der Tradition verhaftet sind und trotzdem den Schritt in eine neue Welt gewagt haben. Die mit Herz, Leidenschaft und ganz viel Authentizität für das Zillertal und das Leben in den Bergen stehen und den Aufenthalt für ihre Gäste so besonders machen. Ich verabschiede mich von Roswitha mit dem Versprechen wiederzukommen, blicke ein letztes Mal zurück und sehe auf den Stufen zum Almhof die Hündin Maya sitzen. Sie wartet schon, denn bald ist es halb fünf und es geht hoch mit dem Rudi zur Alm. Auf das, was wirklich zählt!

Dieser Artikel entstand auf Einladung der Rosuites auf Lichteben. Mein Dank gebührt der wunderbaren Roswitha sowie dem Rudi und der kleinen Maya. Was für ein wunderbarer Ort zum Abschalten.

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