Castel Fragsburg, Meran

By In Europe

Sie ist die Hüterin der Zeit und blickt milde und versonnen auf die goldig-gelb leuchtenden Laternen von Meran. Wir sehen den Tag schwinden, sie sieht nur ein Fahrzeug, welches sich behände die Serpentinen der Weinberge hinauf quält und immer wieder von den prächtigen Herbstwäldern verschluckt wird. Die Straße ist eng, manchmal nur einspurig und fordert erhöhte Aufmerksamkeit. Alle Gedanken werden zur Seite gedrängt, ich verliere mich in den eigenen Lichtkegeln und glaube niemals anzukommen. Dabei bin ich längst da. Die Fragsburg ist eine Festung in einem Meer aus Wolken. Das kleinste 5-Sterne Hotel in den italienischen Alpen. Doch sie ist noch viel mehr. Ein Ort voller Magie und längst vergessener Schätze. Sie schenkt den Gästen Zeit. Zeit für sich selbst. Zeit, die Zeit zu vergessen. Jene Zeit, die den Alltag bestimmt, die an uns zerrt und uns manchmal hoffen lässt, dass sie vergeht. Damit eine andere, eine bessere Zeit kommt. Ich trete durch die efeuberankte Pforte und lasse mich auf dieses Spiel ein. Nicht ich bin der Rhythmus, der Pulsgeber, sondern sie bestimmt die nächsten zwei Tage.

#rooms

Es gibt insgesamt nur 20 Zimmer und Suiten, die so einzigartig und individuell gestaltet sind, dass man die Auswahl nicht selbst treffen möchte. Für mich ist es ein „nach Hause kommen“, so behaglich und doch edel ist die Junior Suite mit der Nummer 1.14, mit ihrem separaten Schlaf- und Wohnbereich. Ein riesiger Balkon eröffnet Ausblicke auf unzählige Wein- und Apfelberge, die Gipfel der Texelgruppe und die Miniaturbauten der Stadt. Ein hell angestrahltes Fußballfeld rückt in meinen Blickwinkel und fördert gerade mal ein Schmunzeln auf meine Lippen. Bundesliga? Was war das noch mal? Ich lasse für wenige Minuten alle Kronleuchter erstrahlen, um ein Gefühl wonniger Behaglichkeit in mir aufzusaugen. Hier möchte ich bleiben, schließlich ist selbst die Zimmernummer ein Zahlen-Anagramm für meinen Geburtstag.

#food

Sternekoch Egon Hess lässt die Tradition der Südtiroler Küche jeden Abend aufs Neue erstrahlen und verfeinert sie mit kleinen Innovationen zu einem wahren Meisterwerk. Angefangen mit einem pochierten Freilandei im Schwarzbrotmantel, legt er mit Tortelli im Dattelmantelkompott nach, nur um das geschmorte Rindsschulternahtl mit Kartoffelstampf und Brokkoli zu servieren. Krönender Abschluss ist ein Apfel, der mich so giftig grün angrinst, als wolle er sagen: „Pech, mein Freund. Du hast wohl eine Bayrische Creme mit Mandelstreusel erwartet“. Doch wie es nun mal im Paradies so ist, hält auch dieser Apfel eine süße Überraschung bereit, und macht die optisch harte Schale zu einer leckeren Glasur, die eine schaumig-zarte Creme ins Freie fließen lässt.

Das Frühstück ist eine Ode an die Eleganz vergangener Epochen. Man verliert sich mit den wenigen Gästen in einem gigantischen Wintergarten aus Palmen, Kakteen und eleganten Möbeln, schaut hinaus auf die geb-rot-grünen Weinberge und erfreut sich am Buffet aus regionalen Köstlichkeiten. Die Eierspeisen kommen frisch aus der Küche und sind bereits Mittel zur Vorfreude auf das allabendliche Menü. Es bleiben keine Wünsche übrig, denn alles ist selbstgemacht, wie die hervorragenden Konfitüren oder Cremes aus Mandeln und Pistazien.

#wellness

Auf der Fragsburg soll man sich nicht nur erholen, sondern die Gastgeberfamilie Ortner möchte uns auch ein Stück weit verändern. Es geht ihnen um Transformation, für die die hauseigene Alchimistin Renate De Mario Gamper steht, die sämtliche Pflegeelixiere eigenhändig frisch aus Blumen und Kräutern zubereitet. Zudem werden im magischen Baumhaus Meditationen, Rituale und Yinyoga Kurse angeboten, die von sphärischen Klängen und schamanischen Siegesliedern begleitet werden. Für mich setzt sich die Zeitreise jedoch im beheizten Swimmingpool fort, der von einem historischen Badehaus flankiert wird. Direkt daneben befindet sich ein wohlig blubbernder Hot-Pool, den ich heute für mich ganz allein okkupiere, um die Transformation so langsam einzuleiten.

#specialplaces

Entsprechend spirituell ist daher auch mein Ausflugstipp, der mich zum Schloss Juval führt, welches auch unter dem Namen Messner Mountain Museum bekannt ist und für mich bereits das fünfte Puzzlestück, dieser sechsteiligen Museumsreihe darstellt. Es ist dem Mythos Berg gewidmet und Messners persönlichstes Ausstellungshaus, da die Familie selbst im Sommer und Winter hier residiert. Das Zeitfenster für eine Besichtigung ist entsprechend kurz und darf nur in Form einer Führung durchlaufen werden, da man auch private Räume besichtigen wird. Ein Beispiel ist Messners wunderbares Arbeitszimmer, welches vollgepackt ist mit Büchern über Berge und Regionen. Dazu sieht man seltene Exponate tibetanischer Kunst, eine beachtliche Maskensammlung sowie eine eindrucksvolle Bildergalerie, die im Burgturm untergebracht ist. Wie in all seinen Museen, schafft es Messner auch auf Juval, eine besondere Atmosphäre zu erzeugen, die durch den architektonischen Stilmix aus mittelalterlicher Burgruine, asiatischen Skulpturen und Exponaten der alpinen Bergbesteigung etwas Besonderes, etwas Eigenes kreiert. Am Ende geht es nie um das was wir sehen, sondern um das was wir fühlen, während man durch Reinhold Messners Vermächtnis spaziert.

#castelfragsburg

Winzige Perlen fallen verkleidet als Regentropfen vom Himmel und bleiben für einen winzigen Augenblick auf dem feuerroten Apfelbaumblatt liegen. Wie eine Zeitkapsel, die jederzeit platzen könnte, wenn man nicht schnell genug eintaucht. Widerwillig löse ich mich vom Anblick, starte den Wagen und begebe mich auf die Serpentinenfahrt meiner Alltagserlebnisse. Erst jetzt fällt mir auf, dass ich so gut wie nichts weiß über die Geschichte der Fragsburg. Dabei bin ich längst ein Teil von ihr. Sie verschwindet hinter den Wolkenfetzen und die Zeit beginnt zu laufen.

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Dieser Artikel entstand auf Einladung des Castel Fragsburg bei Meran. Noch mehr Geschichten und Hotels findet ihr auf meinem Reiseblog Turnagain.

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